Das Knöllchen geht online

  • Sylvia Kuska
Ab Januar reicht es, das Smartphone aufs Knöllchen zu halten – und schon kann bezahlt werden. Wie das gehen soll? Hier die Hintergründe...
14.10.2016
Sylvia Kuska

Wie funktioniert das Online-Knöllchen?
Der Zettel am Scheibenwischer bleibt. Neu darauf sind ab Januar 2017 ein QR-Code, eine Internetadresse und eine persönliche Kennzahl. Wer den Code scannt oder sich übers Internet einloggt, gelangt direkt zu seinem Strafzettel. Hier, im Online-Portal der Bußgeldstelle, kann er sich anschauen, was ihm zur Last gelegt wird und wie viel das kostet. Und er kann den Betrag gleich bezahlen. Die Bankdaten der Stadt, das Aktenzeichen, der fällige Betrag – all das wird automatisch ausgefüllt. Wer die Strafe binnen einer Woche online bezahlt, erhält keinen separaten Brief mehr von der Bußgeldstelle.

Und wenn Autofahrer davon keinen Gebrauch machen?
Dann bleibt alles beim Alten: Ein paar Tage nach dem Knöllchen kommt Post. Mit den Details zum Verstoß, den Bankdaten und der Möglichkeit, sich zum Vorwurf zu äußern. Für diesen Brief werden auch künftig keine Extra-Gebühren fällig.

Ab wann ist der Strafzettel online einsehbar?
Ab Januar. Und dann sofort, nachdem er ausgestellt wurde. Haben die Mitarbeiter vom Ordnungsdienst den Verstoß erfasst, landet er künftig schon Sekunden später in der Bußgeldstelle. Ausgelesen werden kann er mit dem Smartphone oder Rechner.

Wie kann man das Verwarngeld bezahlen?
Über Paypal. Mit Kreditkarte. Als Sepa-Überweisung oder über Girocode, sagt Werner Schelhorn. Seine Firma, die Schelhorn OWiG Software GmbH, stellt und betreut die Software.

Funktioniert das Online-Knöllchen auch mit älteren Smartphones?
Werner Schelhorn sagt, ja. Einzige Voraussetzung ist ein QR-Code-Scanner.

Gibt's Rabatt, wenn man gleich online zahlt?
Nein. Der „Spareffekt“ für den KfZ-Halter liegt darin, dass er beim Überweisen nicht alle Bankdaten, Aktenzeichen usw. händisch eingeben und am Ende weniger Papier entsorgen muss.

Warum geht das Knöllchen online?
Ordnungsdezernent Bernd Nottebaum spricht von einer bürgerfreundlicheren Verwaltung. Das ist jedoch nicht der Hauptgrund. Den größten Nutzen soll die Verwaltung selbst daraus ziehen. Der Stellenabbau der vergangenen Jahre stelle die Mitarbeiter immer wieder vor das Problem, die Arbeit zu schaffen, so Nottebaum. Mit der Online-Option müssten – so die KfZ-Halter sie nutzen – weniger Briefe versendet werden. Das spare Papier, Druckkosten, Porto und gestalte die Überwachung des ruhenden Verkehrs „wesentlich unbürokratischer“.

Werden in MV schon anderswo Online-Knöllchen verteilt?
Schwerin ist die erste Stadt. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim und die Stadt Ludwigslust wollen folgen, sagt Matthias Effenberger. Er sitzt im Vorstand der KSM Kommunalservice Mecklenburg AöR. Das gemeinsame Kommunalunternehmen übernimmt für die drei Kommunen unter anderem den IT-Betrieb.

Gibt es Erfahrungswerte aus anderen Städten, wie Verkehrssünder die Online-Methode annehmen?
Nicht wirklich. Dafür sei die Software noch „zu frisch am Markt“, sagt Werner Schelhorn.

Was kostet die Umstellung aufs Online-Knöllchen?
Dazu halten sich sowohl die Software-Firma als auch die KSM bedeckt. Konkrete Zahlen, was es die Stadt kostet, die Technik umzustellen und die Verwarnzettel mit individuellen Codes zu versehen, wollen sie auch auf Nachfrage nicht nennen. Die Umstellung solle aber „kostenneutral“ erfolgen.

Und doch ein paar Zahlen
Jeder Sachbearbeiter in der Bußgeldstelle beabeitet im Jahr rund 11.000 Verfahren. Im vergangenen Jahr verhängten die Mitarbeiter Verwarn- und Bußgelder in Höhe von insgesamt 2,7 Millionen Euro. Davon entfielen 63.055 auf Parkverstöße.